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7 Tage – 7 Nächte - 7000 km
  

 

Meine Elchtour

von
Wolfgang Staudenmeyer

Am Freitag, den 31.07.2009, um 17.00 Uhr, traf ich im Odenwald bei der Firma Zweirad Norton ein. Doch leider war die BMW noch nicht ganz fertig, da noch Zusatztanks angebracht werden mussten. Aber darauf wartete ich gerne!
Um 19.00 Uhr startete ich die Maschine bei einem Kilometerstand von 157.300 km. Schnell ging es auf die A 45, anschließend weiter auf die A 7 und schon stand ich im Stau! Das kann ja heiter werden, dachte ich. Aber auch diesen Stau werde ich hinter mir lassen, sagte ich zu mir. Auf diese Weise beruhigte ich mich auch bei den nächsten drei Staus auf der
A 7.
Nachts gegen 1.00 Uhr erreichte ich Hamburg. Ich fühlte mich noch recht wach, so dass ich in einem Rutsch weiter bis Puttgarden fuhr. Dort tankte ich nochmals voll, löste das Ticket für die Fähre nach Dänemark und reihte mich dann in die Warteschlange Eins ein. Als um 4.00 Uhr die Fähre ablegte,  ging ich gleich hoch ins Bistro um zu Frühstücken. Das war nach so einem langen Tag genau das Richtige!


Flusslandschaft in Schweden

45 min. später verließ ich die Fähre, um frisch gestärkt die 170 km durch Dänemark zügig hinter mir zu lassen. Langsam kam die Sonne heraus und die Brücke nach Schweden kam in Sicht.
Ein sonniger Tag schien sich abzuzeichnen. Malmö und Helsingborg ließ ich schnell hinter mir. Am Vätternsee, dem zweitgrößten See Schwedens, machte ich meine erste größere Pause und stellte mich auf Urlaub ein. Denn ab hier begannen die Seen und die Küstenstraßen, so wie ich sie mir wünschte. Stockholm war nur noch 250 Kilometer weit entfernt, von wo ich die Fähre nach Finnland nehmen wollte. Doch diese 250 Kilometer zeichneten sich als die längsten Kilometer der gesamten Tour ab, denn langsam kroch die Müdigkeit in mir hoch. Zeitlich war es kein Problem, ich hatte ja noch fünf Stunden, bis die Fähre Richtung Finnland ablegen sollte. Doch ich durfte mir auf keinen Fall ein Nickerchen gönnen, denn sonst wären die fünf Stunden weg wie nichts. Also wieder rauf aufs Motorrad und weiter! Doch nach weiteren 50 km musste ich unbedingt wieder eine Pause machen. Ein kühles Eis und eine Cola und schnell das kleine Hoch ausgenutzt, um noch ein paar Kilometer zu machen. Doch kaum 50 Kilometer weiter war es dann endgültig so weit, ich musste mich für einen kurzen Moment ins Gras legen. Schnell merkte ich, dass ich demnächst in einen Tiefschlaf fallen würde, deswegen stand ich sofort wieder auf rannte drei Mal ums Motorrad herum, noch mal ein kühles Getränk und wieder rauf aufs Motorrad.


Warten auf den Sonnenuntergang am Nordkap


Kurz vor Stockholm hatte ich gottseidank endlich die Müdigkeit überwunden, musste ich mich doch auf den stärker werdenden Verkehr konzentrieren und den Weg zur Fähre finden. Den Fährhafen zu finden war kein Problem, doch leider landete ich an der falschen Fährlinie. So musste ich nochmal durch die ganze Stadt zurück, denn meine Fährlinie befand sich dummerweise auf der anderen Seite der Stadt.
Da hatte ich die zündende Idee: ich habe ja ein GPS dabei! Also neue Zielangabe eingeben, auf Start drücken und die neue Route berechnen lassen. Und dann los: nach 100 Metern links, dann nach 200 Metern rechts und dann stand ich … vor einer Baustelle! Ich versuchte, die Baustelle großräumig zu umfahren, doch als das GPS auf einer ihm bekannten Straße wieder die Richtung bestimmte, befand ich mich in einer Einbahnstrasse. Durch die Baustelle war die komplette Verkehrsführung geändert worden. Ich erinnerte mich daran was man früher, ohne GPS getan hätte: man suchte den Kontakt zu „einheimischen“ Motorradfahrern!

Der erste „Einheimische“ meinte, mein Problem sei in 15 Minuten erledigt. Ich solle ihm kurz folgen: kreuz und quer gings durch die Stadt und dann sagte er mir durch Handzeichen, diese Strasse geradeaus und du bist am Ziel. Ein kurzes Winke-Winke und weg war er.
Tatsächlich war ich an der richtigen Fährlinie. Als erstes montierte ich das GPS wieder ab, denn ich wollte mich wieder auf das konzentrieren was Motorradfahren ausmacht, nämlich Land und Leute kennen lernen, so unkompliziert, wie es mir mit diesem Stockholmer Motorradfahrer ergangen war. Denn das macht Motorradfahren doch auch aus, Hilfe zu bekommen, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, wenn man sich nicht mal richtig bedanken kann.

Doch jetzt hieß es, erst mal einchecken und sich in Warteschleife Eins einreihen. Dort warteten schon ein Motorradfahrer aus England und zwei aus Finnland. Ich merkte gleich beim Heranfahren, dass unter den Dreien gute Stimmung herrschte. Ich wurde auch gleich auf meinen Parkplatz in der Warteschleife eingewiesen und nach herzlicher Begrüßung kamen noch zwei Holländer angefahren.
Auch die anderen Warteschleifen füllen sich langsam mit Autos und Wohnmobilen. Alle saßen in ihren Kisten und warteten aufs Boarding, keiner hatte das Bedürfnis, sich mit den anderen zu unterhalten und außer einem freundlichen Hallo und den „Hund noch mal Gassi“ führen, kam kein Kontakt zustande.
Einer der Holländer holte plötzlich seinen Kocher heraus um Kaffeewasser aufzusetzen. Also Tasse raus! Beim Kaffeetrinken zeigten uns die Finnen auf einer Landkarte ihre Lieblingsstrecken.
Irgendwann dann schaltete die Ampel auf grün und wir durften als Erste hinein fahren. Nachdem die Motorräder gesichert waren verabschiedete ich mich von den Jungs, denn ich musste mich dringend zum schlafen hinlegen. In der Kabine angekommen gings zuerst unter die Dusche und nach ein paar Landjägern ab in die Falle.
Um 6.00 Uhr weckte mich eine freundliche Stimme aus dem Radio mit dem Hinweis, dass wir in einer Stunde in Turku anlegen würden. Turku liegt ca. 120 km südlich von Helsinki. Ich hatte super geschlafen und fühlte mich topfit für Finnland.


Das Rekordfahrt-Motorrad im Fjäll am Nordkap

Zügig packte ich meine Sachen zusammen um sie wieder auf dem Motorrad zu verstauen. Dann öffnete sich die Klappe am Fährschiff und wir hatten wieder festen Boden unter den Rädern. Ein Gruß zu den anderen Motorradfahrern und schon waren alle in alle Richtungen verschwunden.
Ich wählte die Inlandroute durch Finnland. Bei Tampere machte ich den ersten Tankstopp mit ausgiebigem Frühstück. Ich war schon jetzt fasziniert von diesem Land und seinen klasse ausgebauten Straßen, seinem ausreichenden Tankstellennetz, schönen Rastplätzen und sauberen sanitären Anlagen. Dieser Eindruck verfestigte sich durch ganz Finnland hindurch. Auch dass Finnland Euro-Land ist und auf Landstraßen 100 km/h gefahren werden kann macht das Land zu einem einfachen Reiseland.
Doch nun rauf auf die Kiste, die Sonne lachte, das Thermometer zeigte um 9.00 Uhr schon 25°C und die finnische Seenlandschaft lag vor mir. Auf der E 63 fuhr ich bis Jyväskylä, wechselte dort dann auf die E 75, die ich bis Lappland nicht mehr verließ. Die Landschaft zog links und rechts an mit vorbei. Wie im Rausch nahm ich Kilometer um Kilometer unter die Räder, ein See nach dem anderen reihten sich aneinander. Nur ein Fotostopp unterbrach ab und zu meine Fahrt. Nach 400 Kilometern zeigte mir mein Motorrad dass es Durst hatte und auch ich freute mich auf eine kühle Cola. Mit vollem Tank und vollem Bauch ging es weiter. Bei Oulu kam ich auf die Küstenstrasse der Ostsee der ich bis Kemi folgte. Dort ging es rechts ab zu den Lappen.
Aber jetzt hatte ich ein neues Problem - ich kam ins Moskitoland. Ich überlegte mir, dass ich abends so lange fahren sollte, bis die Sonne am Horizont verschwunden war, denn erst dann würden die Moskitos nicht mehr so aggressiv sein und ich könnte in Ruhe mein Zelt aufbauen.
Ich entschloss mich, noch ein paar Kilometer bis Rovaniemi zu fahren um dort eine längere Pause einzulegen. Dort überquerte ich den Polarkreis und dort ist bekanntlicher weise ja auch der Weihnachtsmann zu hause. Am Polarkreis angekommen lachte auch schon der Weihnachtsmann und bei 25°C am Polarkreis lachte auch ich! Erst mal schenkte ich der BMW ein Weihnachtsbenzin und ich genehmigte mir eine speckumhüllte Weihnachts-Hot-Dog. Anschließend besuchte ich den Weihnachtsmarkt, der auf der gegenüber liegenden Straße in einem großen Holzhaus das ganze Jahr geöffnet hat.

Nach Rovaniemi fuhr ich noch 200 Kilometer weiter bis die Sonne am Horizont verschwand. An einem See auf einem kleinen Sandstrand fand ich den idealen Zeltplatz. Beim Zeltaufstellen merkte ich, dass ich das Problem mit den Moskitos richtig eingeschätzt hatte. Um diese Zeit waren sie tatsächlich nicht mehr so aggressiv. Ich konnte meinen Stuhl aufstellen und noch in Ruhe Teewasser kochen. Ich hatte jetzt doch richtig Lust auf eine Tasse Tee mit Rum, den ich allerdings eigentlich für kalte Tage mitgenommen hatte, doch jetzt musste einfach ein Schluck Rum sein. Mit großer Vorfreude auf den nächsten Tag kroch ich in meinen Schlafsack.
Beim morgendlichen Kaffee studierte ich die Landkarte und hatte eine neue Idee. Da ich ziemlich nahe an der russischen Grenze war, könnte ich auch einen kleinen Abstecher dahin machen. Also Zelt abbauen und rauf aufs Motorrad, neue Ziele warteten auf mich. Die morgendliche Sonne verhieß wieder einen schönen Tag. Über Tankavaara, wo noch Gold aus einem Fluss gewaschen werden kann, erreichte ich den wichtigsten See der Lappen - den Inarisee. Dort versorgte ich die BMW mit Benzin und dann ging es weiter zur russischen Grenze.
Noch 250 km bis Murmansk zeigte ein Hinweisschild, ich war also richtig! Eine traumhafte Strasse durch bergiges Land ließ
 mich auf meiner BMW frohlocken. Endlich mal wieder Kurven, die mich von links nach rechts fliegen ließen. Doch nach 50 Kilometern stoppte mich die nördlichste finnische EU Außengrenze. Erinnerungen stiegen auf, denn als ich vor 25 Jahren nach Ungarn einreiste sah es dort ähnlich aus: Wachtürme, große Eisentore, überall Überwachungskameras und das Ganze eingerahmt mit Stacheldraht. Doch die finnischen Grenzbeamten waren super aufgelegt. Sie lachten, als sie erfuhren, dass ich die Grenze von Russland nur fotografieren wollte. Nachdem sie meinen Ausweis kontrolliert hatten machten sie mich darauf aufmerksam, dass ich mich im Niemandsland befände und ich keine Chance hätte, die Grenze zu Russland zu fotografieren. Ich sollte nicht weiter fahren als maximal bis zum blauen Schild der EU Außengrenze. Nach weniger als einer Minute tauchte besagtes Schild vor mir auf und dahinter lag eine ewig lange gerade Straße. Ich stoppte am Schild und wollte gerade den Foto herausholen als plötzlich ein Soldat ca. 200 Meter vor mir aus dem Wald trat. Mit der Kalaschnikow in der Hand stand er nun vor mir.

 

Da verlor ich den Mut zum Fotografieren, startete die BMW und fuhr zurück. Die finnischen Grenzer empfingen mich überfreundlich und bedankten sich für die nette Abwechslung. Nach einem kurzen Gespräch setzte ich meine Fahrt fort.
Ich fuhr die 50 Kilometer zurück und ärgerte mich im Nachhinein, dass ich kein Foto gemacht hatte, denn ich war ja auf der finnischen Seite gewesen, wo eigentlich nichts hätte passieren können. Doch so war es jetzt halt, es rief das Nord Kap. Weiter gings am Inarisee entlang bis Kaamannen. Dort verließ ich die E 75 und bog auf die E 92 ab, die mich zur Grenze nach Norwegen führte. Hier fiel mir als erstes der Kontrast zur russischen Grenze auf. Zwei Fahnen, die Finnische und die Norwegische, das war’s. So eine Grenzüberquerung, ohne Soldat mit Kalaschnikow in der Hand, machte natürlich mehr Spaß.
Kaum auf norwegischem Boden änderte sich die Landschaft. Es wurde bergiger und endlich auch wieder kurviger. Nach langen Geradeausfahrten genau die richtige Abwechslung. Bei Karasjok bog ich auf die E 6 ein, die mich durch die herrliche Finnmark führte. Am Porsanger– Fjord angekommen war das Ziel nicht mehr weit. Eine 170 Kilometer lange traumhafte Küstenstraße sollte mich ans Nord Kap bringen. Ein Blick auf mein Thermometer - ich konnte es kaum glauben, bei sage und schreibe 33° C schlängelte ich mich durch den Fjord in Richtung Nord Kap. Aber beim Duft von Gegrilltem, der mir in die Nase stieg und dem Gekreische der Badenden fragte ich mich ernsthaft, ob ich wirklich kurz vor dem Nord Kap war oder mich irgendwo im Süden befand. Am Kafjord holt mich meine Erinnerung wieder ein. Vor 20 Jahren hatte ich dort mit der Fähre übergesetzt und eine extrem staubige Straße hatte mich damals ans Kap geführt. Doch neue Zeit, heißt neues Ziel, heißt Nordkaptunnel. Ein fast sieben Kilometer langer Tunnel führte mich unterm Meer zur Insel Mageroya. Also Sonnenbrille runter und rein in den Tunnel. Je weiter ich in den Tunnel hinein fuhr, desto kälter wurde es. Ein Blick auf mein Thermometer erklärt auch, warum ich kalte Finger bekommen hatte. Ein Temperatursturz von 20°C machte es nötig, dass ich die Griffheizung anschaltete. Nie hätte ich gedacht, dass ich in einem Tunnel Richtung Nord Kap die Griffheizung brauchen würde. Doch lieber schaltete ich sie im Tunnel an, und nach sieben Kilometern wieder aus als anders herum.

 

Dann Licht am Ende des Tunnels, die Insel Mageroya war erreicht. Die Tunnelgebühr musste noch bezahlt und eine kleine Passstrasse hochgefahren werden, und das Nord Kap zeichnete sich am Horizont ab. Von weitem konnte man schon die Nordlandhalle sehen. Die letzten Kilometer auf herrlich ausgebauter Strasse musste ich einfach genießen. Nachdem ich den Eintritt zum Kap bezahlt hatte fuhr ich gleich weiter zur Eisernen Kugel um meine Ankunft im Bild fest zu halten. Aus heiterem Himmel standen jedoch plötzlich Sicherheitskräfte vor mir und baten mich freundlich aber energisch mich schnell vom Acker zu machen. Wie konnte ich dieser freundlichen Aufforderung widerstehen. Also fuhr ich zurück, um erst mal einen windgeschützten Platz für mein Zelt zu suchen. Und dann hatte der Klamottenwechsel Priorität eins:  raus aus den Motorrad-Klamotten und rein in die kurze Hose, denn um 21.00 Uhr stand das Thermometer immer noch auf 25°C.
Anschließend warf ich meinen Kocher an um mir mein Nord-Kap-Menü, Spagetti mit Lachs und einem Glas Rotwein, zuzubereiten. Danach bummelte ich durch die Nordlandhalle wo ich mir ein paar Souvenirs besorgte. Es hatte sich viel verändert dort oben, ich kam mir vor wie in einem Kaufhaus. Dort ein Restaurant, hier ein Kino, dort eine Bar und eine Poststelle, Toiletten vom Feinsten, nur der Königliche Saal war noch wie früher. Doch auch ich nahm den Luxus gerne an und freute mich, hier zu sein.
Um 22.00 Uhr kam am Parkplatz dann hektisches Treiben auf, denn viele Urlauber, zum Teil ganze Reisebusse voll, wollten den Sonnenuntergang hier genießen. Um 23.30 Uhr war der Spuk dann vorbei, die Sonne war untergegangen, der Parkplatz leerte sich langsam und kurze Zeit später herrschte wieder angenehme Ruhe. Für die Mitternachtssonne war ich einen Monat zu spät dran doch das störte mich nicht, ich genoss die Atmosphäre an diesem Ort. Denn wo sonst kann man in kurzer Zeit einen Sonnenuntergang und eine Stunde später wieder den Sonnenaufgang erleben, bevor man Schlafen geht. Neben meinem Zelt hatten noch zwei KTM Fahrer aus Estland und ein Franke mit einer F 650 ihre Zelte neben mir aufgeschlagen, die ebenfalls die Nacht am Kap genossen hatten.


Die Kugel am Nordkap

Nach einer sehr warmen Nacht nahm ich ein ausgiebiges Frühstück ein. Danach packte ich langsam meine Sachen zusammen. Als alles wieder verstaut war startete ich nochmal einen Versuch, mich an der Eisernen Kugel ablichten zu lassen. Und diesmal wurde ich von den Sicherheitskräften in Ruhe gelassen.
Langsam wurde mir das schöne Wetter unheimlich doch beschweren wollte ich mich natürlich nicht. Nun war es Zeit für die Rückreise. Wieder die herrlichen 100 Kilometer Küstenstraße zurück, nur diesmal zog ich vor dem Nordkaptunnel meine warmen Handschuhe an. Als ich die E 6 erreichte nahm ich die Abzweigung in Richtung Narvik bis Alta, dort bog ich dann auf die E 93 ein, die mich durch die Finnmark führte. Nach dem Grenzübertritt nach Finnland hatte die BMW Lust auf frisches finnisches Benzin. So legten wir eine kleine Pause ein um dann gestärkt die E 8 Richtung Süden unter die Räder zu nehmen. Landschaftlich hatte diese Route nicht viel zu bieten bis auf die Tatsache, dass ich den Polarkreis zum zweiten Mal überquerte, dieses Mal halt in die andere Richtung. In Tornio fuhr ich über die Grenze nach Schweden um kurze Zeit später an einem schönen Küstenabschnitt mein Nachtlager auf zu schlagen.
Gleich nach dem Aufstehen lud mich ein Pärchen aus Dortmund zum Frühstück in ihr Wohnmobil ein. Ich nahm die Einladung gerne an. So musste ich meine Essenskoffer an diesen Morgen nicht auspacken. Nachdem wir unsere Reisegeschichten ausgetauscht hatten war es Zeit aufzubrechen.
Eine quälende Rückfahrt begann: Höchstgeschwindigkeit 90 km/h unterbrochen von manchen Streckenabschnitten, die man höchstens mit 70km/h fahren durfte - und dann noch die langgezogenen Ortsdurchfahrten. Meine Durchschnittsgeschwindigkeit sank rapide und meine Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt. Doch ich zog es konsequent durch, denn ich wollte ohne Ticket nach Hause kommen.
Die Landschaft hatte auch nicht mehr viel zu bieten, nur ab und zu mal noch ein Highlight wie zum Beispiel die Großen Schisprungschanzen in Ornsköldsvik. Ca. 300 Kilometer vor Stockholm kam dann Bewegung in meinen Fahrrythmus, ich durfte 110 km/h fahren.

 

Die Strecke von Stockholm nach Malmö kannte ich ja schon. Fotografiert hatte ich das meiste auf der Hinfahrt, also ließ ich es jetzt laufen. Am Vättensee verbrachte ich dann die letzte Nacht in Skandinavien.
Am Morgen hatte ich tatsächlich zum ersten Mal auf dieser Reise keinen Sonnenschein sondern Frühnebel, der mich die ersten zwei Stunden meiner Fahrt begleitete.
Um 12.00 Uhr stand ich dann auf der Fähre von Dänemark nach Deutschland. Genau der richtige Zeitpunkt um mich noch einmal zu stärken, bevor nun die deutschen Autobahnen begannen und ich wieder meine gewohnte Geschwindigkeit fahren konnte, ab und zu auch mal etwas schneller. Gegen 20.00 Uhr traf ich in Bad Ditzenbach, meinem Heimatort inmitten der Schwäbischen Alb, ein.
Ich hatte jetzt innerhalb von 6 Tagen 6.700 km hinter mich gebracht und freute mich auf eine Dusche.
Am nächsten Tag fuhr ich noch eine kleine Runde über die Schwäbische Alb. Bei Pforzheim ging es auf die Autobahn bis Sinsheim. Dort erkundete ich noch den Odenwald und am 7.08.2009 um 17.00 Uhr traf ich in Mömlingen bei Zweirad Norton ein.
Mit stolzen 7.003 km hatte ich meinen Teil zur Rekordfahrt beigetragen.
Sofort nach meinem Eintreffen checkte ein Mechaniker die Maschine durch, denn bereits am nächsten Tag wollte eine Fahrerin ihren Teil zur Rekordfahrt beitragen.

Ich musste erst einmal bei meiner Nase einen großen Kundendienst durchführen, denn die erste Hautschicht löste sich bereits.  
Doch bei so einer Woche holt man sich gerne einen Sonnenbrand!

Es grüsst

Wolfgang Staudenmeyer